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Tattoo - Spiegel der Seele

Tattoo als Bekenntnis

 

Auf meiner Homepage wird immer wieder mein Beitrag zum Thema "Tattoo" abgerufen. Deshalb hier, zuerst grundsätzlich und dann persönlich.

 

Im Sommer sind sie unübersehbar – Tattoos an so vielen Leuten, längst  nicht mehr nur an jungen, und an allen möglichen und unmöglichen Stellen. Viele der Motive erscheinen banal, andere sind wahre Kunstwerke. Über den Geschmack und die Motive lässt sich streiten. Bei einigen entsteht die Vermutung, dass dahinter eine Geschichte steht oder sich darint persönliche Werte spiegeln.

 

Früher waren es Matrosen oder Gefangene, die Tattoos trugen. Heute sind sie in fast allen Gesellschaftsschichten verbreitet. Früher waren die Orte, wo sie gestochen wurden, verborgen in Hinterhöfen und geschahen bei Typen, die zwielichtig erschienen. Heute gibt es gut eingerichtete Studios mit sauberer Hygiene und amtlich geprüften Farben. Einige nutzen ihre Ferien, wo sie sich in ihrem Übermut ohne die nötige Hygienemassen Motive stechen lassen, die sie später bereuen.

 

Woher kommen eigentlich Tattoos? Lange galt Ötzi als ältester Fund eines tätowierten Menschen. Er trug 61 Motive. Warum, ist bisher unbekannt. Heute gelten tätowierte Mumien, die in Oberägypten gefunden wurden, als älteste Belege. Besonders häufig waren sie bei den Skyten verbreitet, einem Volk in der russischen Steppe. Dies scheint der These zu widersprechen, dass die Tätowierung zunächst in Südostasien verbreitet war und sich dann nach Ägypten, Polynesien und Australien ausbreitete, besonders verbreitet bei den jeweiligen indigenen Volksgruppen. Auch der christliche Mystiker Heinrich Seuse im 14. Jahrhundert trug ein Tattoo – den Namen "Jesus" auf seiner Brust.

 

Tattoos haben unterschiedliche Bedeutungen und Funktionen, so etwa als Ausdruck einer Zugehörigkeit und als rituelles und sakrales Symbol. Heute stehen sie für Exklusivität, Selbstdarstellung und Abgrenzung. Oder sie sind einfach ein Schmuck oder ein Zeichen des Protestes oder einer politische Einstellung, manchmal auch eine bewusste Provokation. Zur Zeit der Nazis wurden die Häftlingsnummern tätowiert.

 

Wissen Sie, wo das älteste immer noch existierende Tattoo-Studio der Welt steht?

 

Es ist bei der koptischen Familie Razzouk im christlichen Viertel der Altstadt in Jerusalem. Das Lokal ist seit mehr als 700 Jahren in Betrieb. Bei den Christen in Ägypten, den Kopten, die zu einer der ältesten christlichen Konfessionen gehören, ist es bis heute die Sitte, dass alle auf dem rechten inneren Handgelenk ein kleines tätowiertes Kreuz tragen. Sie bekennen sich so zu ihrem Glaube und das in einer Weise, die ihnen niemand wegnehmen kann. Heute lassen sich bei Familie Razzouk christliche Pilger aus aller Welt als Zeichen, dass sie im «Heiligen Land» waren, tätowieren – zumeist mit einem traditionellen Jerusalemkreuz, umrahmt mit Kronen und Olivenzweigen. Oder es handelt sich um die Darstellung des Heiligen Drachentöters Georg oder um eine eine mittelalterlichen Kreuzigungsdarstellung.

 

Ein Pfarrer und Tattoo? Gilt für ihn etwa nicht das alttestamentliche Gebot: «Sie sollen auch keine Glatze scheren auf ihrem Haupt noch ihren Bart stutzen und an ihrem Leibe kein Mal einritzen.» (3. Mose 19,5). Wenn dem so wäre, müssten alle Männer lange Bärte tragen. Vollrasur oder bewusste Vollglatze wären dann obsolet. Die Frauen müssten sich dann nach jeder Menstruation rituell reinigen, die Männer nach jedem, auch spontanem Samenerguss. Die Haut geritzt wurde damals bei heidnischen Völkern in der Umgebung von Israel als Zeichen der Ernsthaftigkeit ihrer Trauer um nahe Verstorbene.

 

Tattoos sind der persönlichen Freiheit überlassen. Dennoch sind einige vernünftige Gebote sinnvoll: Tattoos setzen die Mündigkeit voraus und sollten gut überlegt sein, warum, was, wie und wo. Kann ich mich ein Leben lang damit identifizieren? Ich will mich später nicht für meine «Jugendsünden» schämen. Es gibt gewisse No-Go's: Keine rechtsextremen Zeichen wie Hakenkreuze, keine Namen von Geliebten, keine offensichtlich okkulten Symbole. Tattoos sollten zudem in seriösen Studios gestochen werden, was seinen Preis hat.

 

Ein Pfarrer und Tattoos? Ist Ihnen auf meiner Homepage schon das kleine Zeichen oben links aufgefallen, das auch am Beginn dieses Beitrages steht? Es ist eine hebräische Kalligrafie, für mich persönlich von einem jüdischen Künstler in Israel entworfen wurde. Sie steht auf meinem rechten Schulterblatt. Auf der linken Brust befindet sich zudem das Symbol "Α und Ω", ineinander verwoben, als Ausdruck meiner Überzeugung, dass Christus die wahre Herrschaft gehört - in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft -, rechts trage ich eine grosse hebräische Kalligrafie, ebenfalls von einem jüdischen Künstler gestaltet, Gabriel Wolff in Berlin. Es handelt sich um meinen Konfirmandenspruch, der mir viel bedeutet „Mein Bund des Friedens wird nicht von dir weichen.“ (Jesaja 54,10). Seit einigen Tagen zieren auch zwei Lorbeerzweige meinen oberen Rücken beidseitig nach vorne hin sich ausbreitend.

 

Wie kam es dazu? Wenn Sie mir vor zehn Jahren gefragt hätten, dass ich mir Tattoos stechen lasse, hätte ich gelacht oder entsetzt abgelehnt, obwohl ich schon damals anderen es zugestanden hätte.

 

In meinem Buch „Zurück zum Leben – Das Tagebuch meiner Depression“ beschreibe ich, wie es dazu kam. Hier gekürzt der Beitrag. Der Ausgangspunkt ist eine damals überstandene mittelschwere Depression, die sich über Jahre anbahnte und schliesslich in zwei Teilen ganze fünf Jahre dauerte. Die Ursache klärte sich in einer psychotherapeutischen Begleitung: Die traumatische Erfahrung des Unfalltodes meines zehnjährigen Bruders, als ich noch nicht einmal fünf Jahre alt war. Es bedeutete das Ende einer unbeschwerten Kindheit. Meine Mutter litt sehr darunter und klammerte sich an mich – ich musste um sie besorgt sein, schön brav sein, was für ein Kind eine völlige Überforderung ist. Am Ende meines Studiums kurz vor Antritt des Pfarramtes wurde ich von einer uns begleiteten Fachperson darauf angesprochen, meinte damals  aber, es sei eine alte Geschichte, die ich längst überwunden hätte. Typisch für traumatische Erfahrungen in der Kindheit melden sich diese aber häufig nach der Lebensmitte, wenn die eigenen Kräfte langsam nachlassen beginnen. So war es auch bei mir.

 

 

8. Oktober 2016: Ein bleibendes Zeichen

Schon länger ist in mir die Sehnsucht nach einem «Rite de Passage».[1] So wie ich es vor einigen Jahren getan habe, als mir klar wurde, dass ich für meine Mutter im falschen Geschlecht geboren worden bin. Ich habe mir als Ausdruck meiner Versöhnung mit dieser Geschichte und als Bejahung meiner Männlichkeit einen Bart wachsen lassen, der mir gut steht. Dieser Schritt geschah noch vor der Zeit, als viele Männer begannen, sich Bärte wachsen zu lassen. Diese Modebewegung ist keineswegs zufällig. Wir Männer müssen unser Rollenbild neu definieren. Die Frauen sind uns in ihrer neuen Definierung vorangegangen.

 

Doch was kann denn ein sichtbarer und bleibender Ausdruck meiner Veränderung nach allen Prozessen der letzten Monate sein? Mir kommt nur etwas in den Sinn: eine Tätowierung. Die ist tatsächlich bleibend. Wenn ja, dann müsste es etwas sein, was zu meiner Lebensgeschichte und meinem Glauben passt. Ich möchte mich auch nicht von jemandem stechen lassen, der alles macht. Am besten wäre eine Person sein, die auch ein bekennender Christ ist.

 

Ich recherchiere nach Motiven und einer Person. Bald stoße ich auf das Symbol «Alpha und Omega», den ersten und letzten Buchstaben des griechischen Alphabets. Es ist biblisch solide verankert und in der urchristlichen und späteren christlichen Ikonografie häufig verbreitet: «Christus spricht: Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Wer zu mir kommt, dem gebe ich das Wasser des Lebens umsonst.» So steht es im letzten Kapitel der Bibel.[2] Ich möchte dieses Zeichen mit einer Botschaft aus dem ersten Teil der Bibel ergänzen und frage mich: Gibt es eine hebräische Kaligrafie?

 

Auch da recherchiere ich und finde «Hebrew Tattoos». Es handelt sich um eine Initiative von jungen jüdischen Künstlern. Sie gestalten Tattoos auf einem hohen Niveau in Bezug auf die Lebensgeschichte ihrer Kundschaft. Das spricht mich sehr an, aber ich lasse mir für den Inhalt noch Zeit und widme mich der anderen Frage: Wer soll mich tätowieren? Google sei Dank finde ich die Lebensgeschichte und das Angebot von Dan Tschanz, einem passionierten Tätowierer und Christ.

 

Eine wichtige Frage für mich ist: Was sagt meine Frau dazu? Für sie ist meine Idee sehr gewöhnungsbedürftig. Sie meint nach dem ersten Schock: Du machst dich doch immer wieder lustig über tätowierte Leute und ihre Motive. Wenn du das willst, dann stehe ich dir aber nicht im Weg. Aber geh es sorgfältig an. Ich möchte nicht, dass Tätowierungen zu einer Sucht bei dir werden, mit der du nicht mehr aufhören kannst.

 

[1] Eine Handlung, in der der Übergang von der bisherigen Lebensphase in eine neue begangen wird.

[2] Offenbarung 22,13

 

Später kommt ein zweites persönliches hebräische Tattoos dazu, das Wort "Baruch - gesegnet" auf meinem rechten Oberarm, das als Signet jeweils links oben auf meiner Homepage erscheint. Vor  meinem 60. Geburtstag entsteht die dritte Tätowierung: Die hebräische Kaligrafie des Wortes "Dodi»» - mein Geliebter". In Abschiedsrede an seine Jünger spricht Christus in Johannes 17 davon, dass sie für ihn nicht einfach seine Knechte sind, sondern seine Freunde – seine Geliebten. Dieses Tattoo steht auf meinem rechten Schulterblatt in Analogie an eine der ältesten noch vorhandenen Ikonen: der koptische Mönch Menas, der als Märtyrer in Ägypten starb. An seiner Seite steht Christus, der seine Hand über seine rechte Schulter legt. Und dazu kommt noch mein Konfirmandenspruch. Gabriel zeichnete diese Kaligrafie im Wissen um meine Biografie. Im Innern erscheint vieles in der Darstellung gebrochen. Darum herum liegt aber ein harmonisch-schützender Kreis. Das alles spiegelt meine Glaubens- und Lebenserfahrung.

 

Wie schon erwähnt, trage ich seit kurzem ein weiteres Tattoo: Zwei Lorbeerzweige - und damit für mich die Botschaft: "Unser Glaube ist der Sieg, der diese Welt überwunden hat". 

 

Der Anlass sind meine letzten vier Lebensjahre. Es begann im Spätherbst 2019 nach einer wunderschönen und sehr eindrücklichen Reise mit «Mission am Nil» zu ihrem Projekt, einem Spital in Mittelägypten in einem der ärmsten Gebiete des Landes. Dort trug übrigens der junge Mann am Empfangsschalter  auch ein Tattoo an seinem Arm mit dem Namen "Jesus".

 

In der Woche danach brach ich beim Fitness meinen Oberschenkel – den stärksten Knochen. Die Ärzte standen vor einem Rätsel und untersuchten mich noch vor der Operation auf einen eventuellen Befund in meiner Prostata. Später zeigte die Messung der Knochendichte die Ursache: eine begonnene Osteorose, wohl ein «Erbstück». Die Operation gelang gut, ich erholte mich und das Fremdmaterial konnte ein Jahr später entfernt werden. Dank einem Medikament, das ich einmal wöchentlich bis zu meinem Lebensende nehmen muss, hat sich die Knochendichte verbessert und liegt im im «orangen Bereich». Also wieder gut und irgendwie auch eine Bewahrung. Eine zu lange unentdeckt Osteoporose hätte fatale Folgen haben können, etwa ein Bruch der Wirbelsäule.

 

Im Frühling danach wurde ich auf meinen Wunsch hin vorsorglich wegen Verdacht auf Prostatakrebs untersucht. Die Biopsie zeigte, dass tatsächl einige bösartige Zellen vorhanden sind. Der Urologe riet, es weiter beobachten zu lassen und mit einer Operation abzuwarten. Ein Jahr später ergab die Untersuchung, dass sich die Zellen vermehrt hatten. «Wir müssen handeln», so nun der Arzt. Mir war am liebsten, wenn dies möglichst rasch geschieht. Am Sommerbeginn, 21. Juni, fand dann die hochmoderne OP statt, allerdings verbunden mit Problemen wegen Verwachsungen in meiner Bauchdecke in Folge einer OP in meiner Jugendzeit. Der Darm wurde dabei verletzt und musste genäht werden, aber die damit längere OP gelang dennoch gut. Ich war erleichtert, auch wenn ich danach erbrechen musste und wegen heftigen Schmerzen mehrfach um zusätzliche Medikamente bitten musste. Erneut erholte mich gut und litt auch nur kurz unter Inkontinenz. Also erneut gut und wieder eine Bewahrung. Im Herbst 2020 hatte ich dann noch einen Leistenbruch und eine eher einfache OP.

 

Als wäre das alles nicht genug gewesen, meldeten sich im Sommer 2021 während den Ferien heftige Schmerzen im linken Lendenbereich. Ich musste mehrfach in den Notfall, bis schliesslich eine Kombination von Medikamenten zu wirken begann. Danach hatte ich eine gewisse Zeit Ruhe, bis sich wieder die Schmerzen meldeten und zunahmen. Im Frühling 20922 wurde endlich ein MRI gemacht, das den Befund zeigte: Mein fünfter Lendenwirbel war abgenutzt und die Gallertmasse zwischen dem Wirbel ausgeflossen. Ich sass buchstäblich auf dem grossen Nerv, der ins linke Bein führt. Also wieder eine OP – und wieder Probleme bei der Ausführung. Das Team der Neurochirurgie tat ebenfalls ihr bestes und kämpfte damit, das «Cage» zwischen den geschädigten Wirbel einbringen zu können. Nun war meine Wirbelsäule stabilisiert. Danach wurde erneute eine längere Rehabilitation nötig – und wieder kam es gut.

 

Ende August aber meldete sich meine frühere Depression so massiv zurück, so dass ich mich entschied, mich stationär behandeln zu lassen. Die Gefühle, die ich hatte, als mich meine Frau in die PDAG Königsfelden fuhr, war der Tiefpunkt der letzten Jahre. Ich wurde aber gut und engagiert betreut und konnte nach 13 Tagen entlassen werden, da ein Zusatzmedikament, das ich schon früher hatte, zu wirken begann.

 

Und mein Arbeitsgeber, die Kirchgemeinde? Immer wieder informierte ich die Behörde und war guter Hoffnung, es zurück zu schaffen, was zwischendurch auch für kurze Zeit gelang. Doch nun war ich definitiv zu einem «Risikofaktor» geworden, da ich nicht garantieren konnte, ohne weitere Probleme bis zur Pensionierung durchzuhalten. So entschied ich mich schweren Herzen zum Wohl meiner und der Kirchgemeinde zu einer vorzeitigen Pensionierung und erlebte anschliessend einen liebevollen Abschied nach 35 Jahren im Pfarramt mit einem bunt gestalteten Abschiedsgottesdienst.

 

Nun begann für mich mit noch nicht ganz 64 Jahren bereits mein neuer Lebensabschnitt. Ich war guter Zuversicht, dass ich bald stabil zu neuen Kräfte komme. Doch diesen Frühling  meldeten sich aber wieder heftige Schmerzen im Lendenbereich und weit darüber hinaus strahlend. Erneut musste ich viele Medikamente schlucken. Ein MRI zeigte beruhigend: Die Wirbelsäule ist in Ordnung. Doch meine Muskulatur war durch die vielen Operationen der letzten Monate ins Ungleichgewicht geraten («muskuläre Dysbalence») und damit kam der Punkt, an dem die Schmerzen ausbrachen. Damit verbunden wieder Notfallbesuche, die bereits bekannten Medikamente und Physiotherapie und Ganzkörpermassagen mit dem Ziel, die Balance in meiner Muskulatur wiederherzustellen. Nun endlich erfahre ich, wie die Verhärtungen, die sich zuletzt von der Scheitel bis in die Fusssohlen ausgebreitet hatten, allmählich weichen, und brauche nur noch ein Medikament. Endlich Licht! Noch leicht eingeschränkt konnten wir unsere Sommerferien geniessen. Konsequent ziehe ich die physiotherapeutischen Übungen weiter durch. Mein übermässiges Schlafbedürfnis geht zurück, ich mag wieder früher aufstehen und zunehmend zeigt sich auch Freude und neue Lebensenergie in mir.

 

Den Schritt weg von der ganzen langen und zehrenden Leidensgeschichte feiere ich mit einem neuen passenden Tattoo, einem Lorbeerkranz. Es ist ein uraltes Symbol der Würde und des Sieges, und begegnet uns auch im Neuen Testament mit einer eindrücklichen Botschaft (das Wort «stefanos» wird zumeist als «Krone» und nicht wörtlich mit «Loorbeerkranz» übersetzt). In der römischen Umgebung der ersten Christen wurden Sportler und Könige mit einem Loorbeerkranz geehrt. 

 

Im Neuen Testament lesen wir von sechs verschiedenen Kronen, die die Gläubigen tragen werden. Hier eine kurze Übersicht:

 

Die sechs Kränze

Der unvergängliche Kranz

Sportler kämpfen, um zu siegen. Genau so sollen wir in unserem Leben das Beste geben und nicht nachlassen, wenn es uns nicht gelingt - nach Niederlagen immer wieder aufstehen und mit Gottes Hilfe neu voranschreiten. In diesem Leben dürfen wir dann «kleine Siege» feiern – in der Vollendung nach unserem Tod empfanden den unvergänglichen Kranz.

 

Kranz der Ehre

In unserem Einsatz für unsere Mitmenschen, seien sie Christen oder nicht, erleben wir manchmal, dass sich Erfolge zeigen und uns sogar gedankt wird. Wir sollen diese Ehre aber nicht erwarten und uns davon abhängig machen. Wir tun es einfach - und Gott würdigt uns mit seinem unsichtbaren Kranz.

 

Kranz der Gerechtigkeit

Gott weiss, wie wir es in unserem Herzen meinen - und das genügt. Wir leben aus seiner Fülle und Barmherzigkeit - aus Gottes von uns unverdienten Gnade, und nicht aus dem ständigem Druck, ihm genügen zu müssen und es nicht tun zu können.

 

Kranz des Lebens

Unser Leben ist geprägt von Schwierigkeiten und Leiden. Das zeigt sich in persönlichen Schwächen, aber auch in Konflikten mit Menschen, die uns verletzen, oder wo wir die Ursache sind. Es gibt harte Schläge, die wir nicht verstehen, und uns Gott fern erscheint oder nicht existierend erscheint. Die Erfahrung zeigt aber auch: Wir können mehr durchstehen, als zu glauben meinen. Dann, wenn wir es wirklich brauchen, gibt Gott uns die Kraft.

 

Der unverwelkliche Kranz der Herrlichkeit

Er ist der Ewigkeit vorbehalten. Was und wie es sein wird, ist jenseits aller menschlichen Vorstellung.

 

Der goldene Kranz

Gott selbst wird uns einmal diesen Kranz auf unser Haupt legen als seine Töchter und Söhne  und Erben..

 

Die beiden Lorbeerzweige als Tattoo stehen bei mir für das, was ich in diesen Jahren erlitten und nun durchgestanden habe – mit Hilfe Gottes, meiner Frau und Familie, sehr vielen Fachpersonen und einigen Freunden. Diese Zweige begleiten und erinnern mich, wenn neue Tiefschläge kommen

 

Gestochen wurde das Tattoo von Fedi Tognoni im Studio "Builttolast. Von ihm sind auch die Fotos von mir.

https://www.federicotronconi.com/ https://www.tattoosbuilttolast.ch/

 

Tattoo als Ritual und Teil meiner Spiritualität

 

Für mich war die Entscheidung, mich tätowieren lassen, ein längerer Weg. Dahinter steht meine Lebensgeschichte, die nicht immer leicht war und wohl auch weiter nicht immer leicht sein wird.

 

Das Leben ist für keine und keinen von uns ein Spaziergang in der Komfortzone. Dies würde zu Oberflächlichkeit führen und zum Irrglauben, alles in Griff zu haben. Das Vertrauen in unsere Machbarkeit muss immer wieder erschüttert werden, damit ein Mensch reifen kann und mit seinem wahrhaften Potential entwickeln. Ein Leben im reichen Teil dieser Welt verleitet, zu sehr auf Äusserlichkeiten zu vertrauen, auf Wohlstand und persönliches Wohlergehen. Als Menschen mit dem Privileg, in der Schweiz zu leben und gut abgesichert zu sein, gefährdet in einer besonderen Weise. Egozentrisch verteidigen wir dies, wenn wir politische Entscheidungen treffen, die wir, wie nirgends auf dieser Welt, sogar in nicht wirklich wesentlichen Dingen mitbestimmen können.

 

Dieser Glaube, die Komfortzone erhalten zu können, wird bei allen irgendeinmal erschüttert und zerbrochen, da es kein Leben gibt, ohne leiden und sterben zu müssen. Damit gehört die Angst und Furcht zu uns, die wir entweder zu verdrängen versuchen oder uns heimlich ständig begleitet.

 

Unsere Erschütterungen sind nicht Kriege oder Seuchen wie  sonst auf dieser globalisierten Welt, obwohl auch diese uns in den letzten Jahren unangenehm nahe gekommen sind und erschüttern. Wir leben nicht auf einer paradiesischen Insel, sind eng verbunden mit der übrigen Welt und unliebsam dem ausgesetzt, was dort geschieht, und zur Solidarität aufgerufen.

 

Was uns wirklich erschüttert, sind persönliche Krisen: Konflikte in Beziehungen und am Arbeitsort, Schwachstellen in unserem Charakter, Versagen – und oft auch Krankheiten. Eine unerwartete Diagnose kann alles verändern – etwa Krebs oder eine Demenz. Dann sind innere Werte gefragt – das, was uns wirklich hält und trägt.

 

Hinter Menschen, die sich tätowieren lassen, kann – muss aber nicht, wenn es nur als deshalbgeschieht, weil es als cool gilt -, eine sehr persönliche Geschichte stehen, die zu diesem Wunsch führen und eine heilsame Erfahrung werden kann. In diesen Fällen sind die gewählten Motive sorgfältig gewählt und ein Ausdruck der persönlichen Werte. Wir zeigen es sichtbar und unauslöschlich auf unserem Körper.

 

Der Akt der Tätowierung ist ein Ritual, in dem jemand sich verletzen lässt und anschliessend den heilenden Kräften des Körpers vertraue. Ich muss dabei der Person, die tätowiert, vertrauen, dass sie keinen Fehler begeht. Erstaunlich ist, dass Tätowierungen überhaupt möglich sind, die oberen Schichten der Haut die Farbe aufnimmt und erhält.

 

Ich habe meinen beiden Tätowierern danach gedankt – und dem zweiten, Fedi Tognoni, geschrieben, dass dieser Moment seiner Tätowierung für mich so etwas wie einen „sakralen Charakter“ hatte.

 

Damit das, was mir meine Tattoos mit ihrer Bedeutung als Ausdruck meiner innerer Leitwerte und meines Glaubens, sich mit ihrer Botschaft zu verankern, sind auch ein wichtiger Teil meiner täglichen Spiritualität geworden.

 

Ich beginne und beende zumeist den Tag mit einer kleinen Liturgie mit einige Worten, die mir gut tun, und verbinde sie mit der Berührung meiner Körperteile, wo meine Tattoos liegen. 

 

 

Liturgie als Verbindung von Körper und Seele mit Gottes Gegenwart

 

Ich zünde eine Kerze an meinem kleinen „Hausaltar an“, wo die Ikone von Ostap Lozinskij mit Christus steht, der seinem Jünger dient, indem er ihm die Füsse wäscht, seine Zuwendung und Liebe erfahren lässt. Ich sitze auf meinen Gebetsschemel, achte auf meine Atmung, und entspanne mich. Dann spreche ich die folgenden Worte zumeist laut, und verbinde sie mit Zeichen.

 

1. Eröffnung

 

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes 

und des Heiligen Geistes. 

Wie im Anfang, so auch jetzt,

und allezeit und in Ewigkeit.

Amen.

 

Dabei mache ich mit der rechten Hand das Kreuzeszeichen: mit Zeige- und Mittelfinger berühre ich sanft bei „im Namen Gottes“ meine Stirn, bei „Vater“  meine linke Brust, bei „Sohn“ mein linkes Schultergelenkt, und bei „Heiliger Geist“ das rechte Schultergelenk. Bei „im Anfang“ berühre ich die Stirne, bei „so auch jetzt“ meinen Bauchnabel, bei „allezeit“ das linke und bei „in Ewigkeit“ das rechte Schultergelenk.

 

Unsere Hilfe kommt von Gott, unserem Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Jesus Christus spricht:

Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.

 

„Christus spricht: Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende.

Wer zu mir kommt, dem gebe ich das Wasser des Lebens umsonst.

Wer überwindet, der wird es alles ererben,

und ich werde sein Gott sein, und er wird meine Sohn sein.“

 

Dabei lege ich meine Hand auf die linke Brust, wo mein entsprechendes Tattoo liegt.

 

„Ich habe dich eh und je geliebt,

aus lauter Güte habe ich dich zu mir gezogen.“

 

Meine linke Hand liegt dabei an der Stelle auf dem rechten Schulterblatt mit dem Tattoo.

 

„Mein Bund des Friedens soll nicht von dir weichen.“ (Jesaja 51,10b)

 

Meine linke Hand liegt auf dem grossen Tattoo auf der rechten Brust.

 

„Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“

 

Die linke Hand liegt auf dem Tattoo am  rechten Oberarm.

 

„Unser Glaube ist der Sieg, der diese Welt überwunden hat.“

 

Meine Hände liegen auf meinen Schultergelenken.

 

Umsorge mich mit deiner Liebe, Herr,

denn bei dir bin ich zu Hause. 

 

Deine Kinder erfahren deine Güte

und ich gehöre dazu.

 

Du reichst uns einen Becher gefüllt mit gutem Geist,

in deinen Händen hälst du mein Leben.

 

Mein Herz hängt an dir bei Tag und bei Nacht.

Ständig erfüllst du mich mit neuer Kraft.

 

Du gibst mich nicht auf, du gibst mich nicht preis.

Du zeigst mir den Weg ins Leben.

 

Darum will ich bei dir bleiben

für alle Zeit, Tag und Nacht.

 

Ehre sei dem Vater 

und dem Sohn und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit 

und in Ewigkeit. Amen.

 

Dabei erneut das Kreuzeszeichen.

 

2. Tageslosung und Stille danach (nur am Morgen)

3. Persönliches Gebet

 

Am Morgen gehe ich die Agenda des Tages durch und mit Segen: „Ich segne in deinem Namen meine Frau, meine Kinder und Menschen, die mir gerade besonders nahestehen oder spontan in den Sinn kommen. Ich tue es ohne mehr dazu zu sagen, da Gott am besten um sie weiss. Abends gehe ich in Gedanken den Tag durch – danke und bitte, wo es nötig ist – beides ohne viele Worte.

 

4. Abschluss  Am Morgen - Hingabegebet für den weiteren Tag

 

Ich möchte mich nun für diesen Tag

deinem Vorhaben mit mir und deiner Führung

ganz und gar ausliefern.

 

Leite mich und bereite mich 

für jegliche Gelegenheit vor,

deine mächtige Kraft zu erfahren.

 

Lass mich ein Kanal der Liebe und der Heilung,

der Kraft und des Segens für jeden werden,

den du mir in den Weg stellst und begegnen lässt.

 

Das alles geschehe,

damit unser liebender Vater im Himmel 

verherrlicht werde

und heute an uns sein Wohlgefallen habe. 

 

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes,

und des Heiligen Geistes.

 

Wie im Anfang, so auch jetzt,

und allezeit, und in Ewigkeit.

 

Dabei Kreuzeszeichen.

 

Amen.

 

Am Abend

 

Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes,

und des Heiligen Geistes.

 

Wie im Anfang, so auch jetzt,

und allezeit, und in Ewigkeit.

Amen.

 

Dabei erneut Kreuzeszeichen.

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