Er kam für ein paar Tage – und blieb für immer. Der irische Journalist Caolan Robertson hatte nach Beginn der russischen Vollinvasion ursprünglich nur eine kurze Reise in die Ukraine geplant. Doch er blieb. Er kündigte seinen Job in London und ließ sich zunächst in Odesa nieder. In diesem Interview sprechen wir über den ersten Schock von Kyjiw – eine Stadt, die seine Vorstellung von einem „postsowjetischen Land“ völlig erschütterte. Über Cherson, wo ihn eine Drohne verfolgte,...
Im November 2024 bin ich in Lwiw gewesen und habe dort zufällig den großen Musikprofessor getroffen, der die Banduara gerettet hat. Eine junge Ukrainerin lernte gerade bei ihm. Ich habe weiter geforscht und ein interessantes Gespräch gefunden. Die Bandura ist ein Kulturgut der Ukraine. Julian Kytasty wurde in Detroit, Michigan, geboren. Seine Eltern sind Ukrainer, die nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA gekommen sind. Er ist ein Spieler der Bandura, einem ukrainischen Saiteninstrument. Es...
Gesellschaft · 26. Mai 2026
Was ist eigentlich die europäische Zivilisation? Auch die grundlegenden Texte des klassischen Liberalismus wurden in Europa verfasst ANNA APPELBAUM 15. MAI 2026 Seit 2019 veranstalten das Institut für Geisteswissenschaften und die Erste-Stiftung jährlich die „Rede für Europa“. Die Rede findet stets anlässlich der Eröffnung der Wiener Festwochen, dem jährlichen Kulturfestival in Wien, statt und wird am Europatag oder um diesen herum gehalten, der zugleich der Jahrestag des Endes des...
Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert In 1. Timotheus 5,18 steht: „Denn in der Schrift steht: ‚Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden‘; und: ‚Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert.‘“ Warum schreibe ich euch? Vadim Kiselov ist nach Beginn des russischen Krieges zum Schutz seiner Familie – seiner Ehefrau Vira und den beiden Kindern Nazar und Angelina – in die Schweiz gekommen und in Zofingen gelandet. Nach seiner persönlichen Bekehrung im Alter von 40 Jahren...
Nowa Ikona · 15. Mai 2026
Max Hartmann im Interview mit dem Künstler Kšištof Sokolovský Einer der Künstler, dessen Werke in der Ausstellung „New Icon“ zu sehen sind, fällt besonders durch die Größe seiner Werke und ihre abstrakte Darstellung auf. Letztere wird als „Neusacralismus“ bezeichnet. Was genau bedeutet das? Das versuche ich in einem Interview mit Kšištof Sokolovský herauszufinden. Seine Frau Joanna Mazuś hilft mir, wenn ihm die englischen Worte fehlen. Wann wurdet ihr beide geboren? Joanna...
Depression · 14. Mai 2026
. Verarbeiten ist auch arbeiten. Max Hartmann, du bist Baujahr 1959 und warst 35 Jahre lang Pfarrer in Brittnau. Am 29. November 2022 wurdest du mit den Worten „Pfarrer Max Hartmann ist nahe bei Gott und nahe beim Menschen“ verabschiedet. Im Jahr 1995 erkrankstest du an einer Depression. Du hast darüber das Buch „Zurück zum Leben: Die Geschichte meiner Depression“ (Mosaicstones, 2021). Darin schreibst du: „Verarbeitung gehört auch zur Arbeit“ (S. 45). Dieser Satz hat mich...
Depression · 14. Mai 2026
Ich habe erneut eine Ikone gekauft. Sie spiegelt meine gegenwärtige Situation wider. In meinem Buch „Zurück zum Leben – Die Geschichte meiner Depression” schreibe ich: „Eine Ikone ist nicht einfach ein Bild. Entgegen westlichen Vorstellungen wird sie nicht verehrt. Es geht um den Inhalt. Ikonen sind eine Hilfe in der Gottesbeziehung. Wer sich in das Bild vertieft, wird von Gottes Geist berührt. Das kann heilsam sein. Die helvetische Reformation war eine Bewegung, in der die Kirchen...
Depression · 14. Mai 2026
Rückfall in die Depression Ja, es hat mich wieder einmal erwischt. Im Kopf weiß ich, dass 70 % aller Menschen, die eine mittelschwere depressive Episode erlebt haben, von Rückfällen betroffen sind. Nach gut zwei Jahren Freiheit hat es mich dieses Jahr im Mai erwischt, ausgerechnet in den Ferien. Ich war damals mit meiner Frau dabei, das neue Buch zu korrigieren. Das hat offensichtlich viel mit mir gemacht. Erinnerungen sind aufgetaucht und damit auch die Gefühle, die ich in der akuten...
Ukraine · 21. Februar 2026
The assessment of the situation in Ukraine with regard to its own corruption is very alarming, but not hopeless. 1. Despite my attempts to understand the experiences of Ukrainians, I am and remain influenced by the West, especially by our Swiss culture. I consider this influence a special privilege and am convinced of our country's humanitarian tradition. 2. I underestimated the criminal mentality in the government system. I believed that significant progress had been made in the meantime due...
Ukraine · 21. Februar 2026
Die Einschätzung der Situation in der Ukraine im Hinblick auf die eigene Korruption ist sehr erschreckend, aber nicht hoffnungslos. Bild: Danylo Movchan: Der Schmerz der Ukraine 1. Trotz meines Versuches, die Erfahrungen der Ukrainer zu verstehen, bin und bleibe ich westlich geprägt, insbesondere durch unsere schweizerische Prägung. Ich schätze diese Prägung als besonderes Privileg und bin von der humanitären Tradition unseres Landes überzeugt. 2. Ich habe die verbrecherische Mentalität...