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Das neue Polen, Teil II: Die Arche in Nowa Huta, Kulinarik und Shopping, polnischer Humor

kirche der arche in nowa huta

Nach einer zügigen längeren Tramfahrt, die mir auch den wirtschaftlichen Aufschwung Polens sichtbar macht, besuche ich die Kirche zum zweiten Mal. Sie gehört zu den eindrücklichsten Kirchen, die ich kennen und erinnert mich an die Kirche in Ronchamp des berühmten Schweizer Architekten Le Corbusier. Allein schon die Botschaft der Architektur in Nowa Huta bewegt mich zutiefst.

 

Die Form der Kirche ist eine riesige Arche mit einem Mast mit Krone und Kreuz, 70 m hoch. Als Arche erinnert sie an Noah, der von Gott die verrückte Aufgabe erhielt, mitten im Trockenen ein Schiff zu bauen, da er ihn und seine Familie retten wollte.

 

 Das Gebäude für eine gewaltige Herausforderung an das damalige kommunistische System. Nicht der Atheismus siegt, es der Glaube an Christus und damit der Kirche, die sich auch mit harten Verfolgungen und öffentlicher Verachtung niemals beseitigen lässt.

 

Es ist auch eine Botschaft an unsere westliche säkuläre Gesellschaft. Auch wenn die Kirche und die Gläubigen weniger werden, es wird sie dennoch geben.

Im Verputz der Kirche sind unzählige Steine eingebaut, die Gläubige in den Flüssen Polens gesammelt und hingebracht haben. Die Kirche war in Gemeinschaftswerk. Kirche steht und fällt mit dem Engagement derer, die sich zu ihr bekennen.

 

Ich trete unten in der Kirche ein, wo sich als «Krypta» ein kleiner Andachtsraum befindet mit mich bewegenden modernen Bildern des Kreuzweges Jesu mit seinen Stationen. Ich könnte stundenlang verharren und mich damit in die Botschaft der Liebe Gottes und seiner Solidarität mit dem Leiden der Menschen in dieser Welt vertiefen.

 

Dann steige ich die Treppe hoch in den riesigen Hauptraum, der Tausende von Plätzen umfasst. Er ist schlicht gestaltet und gerade so überwältigend. Die leuchtenden Fenster, die riesige Gestalt von Christus am Kreuz, der Altar und die viele Symbolik, die ich gar nicht alle in ihrer Tiefe erkennen kann.

 

Es ist zudem nochmals ein Kreuzweg zu sehen – diesmal verbunden mit der leidvollen Geschichte Galiziens – der Zeit unter habsburgischer Herrschaft und danach, wo es immer wieder Kriege gab, von anderen verursacht, zuletzt der Zweite Weltkrieg mit unglaublich vielen Opfern und der Auslöschung der gesamten jüdischen Bevölkerung.

Im Internet finde ich zudem eine sehr eindrückliche Beschreibung der Geschichte des Bauwerks, der Symbolik des Baus und historische Bilder, der sehr lesenswert ist.

 

https://www.kirche-in-not.de/allgemein/geschichte/kirche-in-nowa-huta-symbol-fuer-polens-sieg-ueber-kommunismus/

 

erster eindruck und Krypta

Kirchenraum

Galizischer Kreuzweg

kulinarik und shopping in krakau

Nun zur Kulinarik und zum Shopping in Polen. Hervorragend ist der starke Espresso immer mit einem Glas Wasser, aber auch die Vielfalt und Qualität des Essens und die oft sehr originelle und liebevolle Einrichtung. Gastro Suisse sollte sich da einmal umsehen. Wir assen polnisch, italienisch, ungarisch, georgisch – japanisch, koreanisch, orientalisch, jüdisch, mexikanisch, amerikanisch, französisch, vegetarisch, vegan, gut gelagertes Fleisch, Gault Millau, McDonalds, Kentucky Fried Chicken gäbe es auch, Food Trucks, Lieferservice – natürlich überall sind Baggels zu kaufen, die im jüdischen Viertel in Krakau erfunden worden sind, und eine Art „Berliner“ mit verschiedensten wunderbar grosszügigen Füllungen.

 

Polnisch besonders zu empfehlen sind Pierogi (gefüllte Teigtaschen), Suppen und Ente. Dazu natürlich ein kräftiges polnisches Bier!

 

Fast überall sind die Einrichtungen der Restaurants sehr individuell und oft originell gemacht, die Sauberkeit, die Qualität und der Service hervorragend.

Natürlich kann man shoppen – in hypermodernen „Galeria Krakowska“ mit 250 Geschäften. Geheimtipp dort: Polnische Herrenmodelabels „Vistula“ und „Lancerto“. In „Vistula“ kaufte ich mit den Anzug und die Hose für die Hochzeit unserer Tochter, in „Lancerto“ eine Jeansjacke (viel besser in der Quatität als „Levis“) und Jeans, später noch mehr per Internet, natürlich ein neuer meiner geliebten Hoodies – dafür kann ich alte in schlechter Qualität wegwerfen. Beide Labels sind modisch aktuell und in Polen designt– und haben für uns ein perfektes Preis-Leistungsverhältnis (für Polen hochpreisig). Es müssen also nicht immer die üblichen hoch- oder niedriedristpreisigen Labels sein, die uns überall auf der Welt begegnen. Es gibt dort auch verschiedenste Restaurants, Take Aways (besonders zu empfehlen georgische), die berühmte handgemachte Krakauer Schokolade, regionale Produkte ... Eindrücklich war auch eine Ausstellung von Oldtimer der tschechischen Marke Skoda, neben Ford die älteste noch bestehende Automarke der Welt. Im Kommunismus verfiel die Marke, war aber immer noch die beste in Osteuropa, nach der Wende holt sich VW die Marke, die zu einem grossen Erfolg führte - auch in der qualitätsmässig sehr anspruchsvollen schweizerischen Kundschaft. Wir haben auch einen...

 

In Kasimierz sind originelle Geschäfte zu finden mit Flair zum Alternativen. Nicht vergessen will ich die berühmte Bunzlauer Keramik von bester Qualität, die wir schon vom „Hääfeli-Märt“ an der Herbstmesse auf dem Petersplatz in Basel kannten. Es gibt handwerklich wunderbare und stilistisch moderne polnische Holzspielzeuge auch handgemachte Sneakers.

  

Schön sind die Bauernmärkte mit riesiger Auswahl. Eine polnische Frau sagte uns: „Die Polen haben die besten Tomaten.“ Sie sind tatsächlich super und können den Vergleich mit den italienischen bestehen. Sehr qualitätsbewusst sind die Polen bei den Eiern, die sie in der Regel beim Produzenten kaufen.

 

Etwas, was mir weniger gefällt: die Geschäfte mit 24h/7-Angebot an Alkohol...

polnischer humor

In der Altstadt kaufe ich mir einige Karten mit witzigen und tiefsinnigen Cartoons. Eines zeigt einen Lastwagen voller polnischer Priester, die exportiert werden. In der Tat gibt es im Land so viele Priester, dass sie im Ausland wenigstens etwas den grossen Priestermangel beheben können. Und was kommt aus dem Ausland zurück? Auf diesem Lastwagen ist eine fröhlich-bunte Schar aus der EU zu sehen. Sie feiern ab und schwingen Regenbogenfahnen. Den konservativen Polen passt das gar nicht, diese westlichen Verführungen.

 

Das zweite Cartoon passt sehr gut zur gegenwärtigen Weltlage. Planet Erde wartet für der Türe eines Psychiaters auf die längst nötige Behandlung.

 

Der liebe Gott bringt gerade seinen Planeten Erde zum «Service». Das wünsche ich mir auch.

 

 

Auch Polen hat eine zunehmend alternde Bevölkerung und zu wenig einheimischen Nachwuchs. Die gegenwärtig immer noch regierende Partei, die allerdings nach den Wahlen im Oktober ersetzt werden kann, führte Kampagnen durch, dass die Polen vermehrt Kinder zeugen und gebähren. Sie unterstützt dabei Familien grosszügig. Wie sieht es mit dem Erfolg aus?

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